Emirate 2016, Fernreise
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Emirate statt Brasilien – Über schwere Entscheidungen und last, last minute

So, hier sind wir nun. Ich sitze auf dem Balkon unseres Zimmers in Abu Dhabi, unter mir die hübsche Hotelanlage samt Pool, links der Kanal und rechts das Restaurant, in das wir gleich lecker essen gehen werden. Zwölf herrliche Tage mit Sonne und Wärme liegen schon hinter uns. Wir haben einiges gesehen hier in den Emiraten, waren aber auch mal faul und haben ein paar Tage am Pool verbracht. So weit so schön. So gewöhnlich. Oder so ungewohnt.

Denn unsere Pläne waren waren ja andere… Vor Antons Einschulung in diesem Jahr wollten wir noch mal länger los. Zuerst hatten wir fünf Wochen im Sinn, doch diesen Plan mussten wir recht schnell verabschieden, denn mein Shop und das neue Atelier lassen das einfach nicht mehr so problemlos zu. Sobald es um physische Waren geht, ist das schöne Leben als scheinbar digitaler Nomade schnell vorbei.

Gut, dann aber drei Wochen, das sollte zu schaffen sein! Nach Brasilien wollten wir und nachdem wir recht kurzfristig an Weihnachten sehr günstige Flüge ergattert haben, freuten wir uns sehr auf diese Tour kreuz und quer durch das große Land in Südamerika. Wasserfälle, Metropole, Kolonialstädte und ein paar erholsame Tage an der Küste sollten es werden.

Doch es kam anders. Der Zika Virus tauchte auf. Die Schlagzeilen häuften sich und wir begannen zu recherchieren, nachzufragen und zu grübeln. Ich kann und mag die Diskussion um Ansteckung und Risiko dieses Virus nicht führen, letztendlich was es aber der Grund, weshalb wir uns gegen die Tour nach Brasilien entschieden haben.

Mit Kindern reist man anders und wählt andere Ziele aus. Malariagebiete meiden wir immer und natürlich brauchen wir keine Destinationen mit politisch unstabilen Verhältnissen. Diese Welt ist groß genug, aber durch die Zika-Geschichte ist sie deutlich geschrumpft.

Es war nicht mal die Angst vor einer möglichen Ansteckung, die uns zu diesem Schritt bewegt hat. Es war vielmehr die Unlust auf eine ständige Prophylaxe in Kombination mit einer gewissen Unkenntnis. Die Mücken, die das Virus übertragen, sind auch tagaktiv, was praktisch bedeutet, dass man nach dem Eincremen mit Sonnencreme eine empfohlene Einwirkzeit von 30 Minuten abwarten soll, bevor man den Mückenschutz aufbringen kann. Super Sache mit kleinen Kindern… Dazu das Aufhängen von Moskitonetzen am Abend, das Tragen langer Kleidung und das ständige Achtgeben. Das nervt einfach.

Hinzu kommt das derzeitige Unwissen über den Virus selbst. Die Fehlbindungen an ungeborenen Kindern werden in Zusammenhang mit ihm gebracht, aber niemand hat eine Bestätigung hierfür. Es kann derzeit auch niemand Auskunft darüber geben, ob der Virus im Körper bleibt, ob er mutiert, oder ob er gar harmlos ist und alles den Pestiziden im Wasser zuschreiben ist. Brasilien gibt im Hinblick auf die Olympischen Spiele in diesem Jahr nämlich Vollgas in Sachen Mückenbekämpfung.

Irgendwann war der Punk gekommen, an dem wir uns ansahen und dachten: ist es uns das wert? Nein. War es nicht. Das war fünf Tage vor Abflug.

Wie viel Anstrengungen es dann gebraucht hat ein neues Ziel zu finden und eine Tour abzustimmen, bei der es Mietwagen, Hotels und Flüge zu koordinieren gab, könnt Ihr Euch vermutlich kaum vorstellen. Preise vergleichen, Kombination ausprobieren, Routen recherchieren – pauschal haben wir auch diesmal nicht gebucht, das wäre auch zu teuer gewesen.  Den Flug nach Rio konnten wir nämlich nicht umbuchen – das ist der wahre Preis des günstigsten Angebotes…

Bereut haben wir die Entscheidung keine Minute. Die Emirate sind uns ja nicht ganz unbekannt. In Dubai waren wir vor vier Jahren mit Anton während unserer ersten Elternzeit und vom Oman schwärmen wir in höchsten Tönen. So war uns ein absoluter Last Minute Urlaub vergönnt, der besser hätte nicht laufen können. Über unser Buchungsverhalten schreibe ich mal separat etwas, es interessiert ja immer alle, wie wir günstige Flüge finden oder tolle, aber bezahlbare Hotels.

Das Hotel, in dem ich nun diesen Beitrag schreibe, ist übrigens das Ritz Carlton in Abu Dhabi. Wir hatten ja schon das Glück mehrere großartige Hotels kennen zu lernen, aber die liebeswürdige Art des Services und der Menschen, die hier arbeiten, ist wirklich bemerkenswert. Die Küche ist großartig und die Anlage sehr schön gestaltet. Einzig das Interieur Design ist für unseren Geschmack ein wenig zu klassisch. Doch selten haben wir uns auf allen Ebenen so wohl gefühlt. Eine sehr gepflegte und entspannte Atmosphäre herrscht hier und wer glaubt, dass man in einem fünf Sterne Haus besser nicht mit Kindern Urlaub macht, liegt falsch. Sie sind herzlich willkommen, werden umsorgt und sind so gerne hier, dass wir sie nur mit großen Bestechungsmaßnahmen (riesen Eisbecher etc.) zu Ausflügen bewegen können. Kinderpool mit Sonnensegel, Kidsclub und Wasserspielplatz tun ihr übriges.

Zum Abschluss ein paar Impressionen, auch eine mit dem Blick vom besagten Balkon. Weitere Urlaubstags aus den Emiraten Abu Dhabi und Dubai folgen die Tage…

Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 2 Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 3 Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 4 Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 5 Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 6 Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 7 Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 8 Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 9 Erfahrung Ritz Carlton Abu Dhabi Hotel 10

1 Kommentare

  1. Verena sagt

    Hallo Katja,

    ich freue mich, wieder Reisefotos von Euch zu sehen und hatte mich auch schon gefragt, wann Ihr denn nun nach Brasilien weiterreist.

    Eure Entscheidung kann ich aufgrund unserer Erfahrung in der Karibik – Kind mit 30-40 Mückenstichen trotz Prophylaxe gefolgt von mehrtägigem Fieber, und das gekoppelt mit dem Wissen, dass das potentiell tödliche Dengue Virus in jeder Mücke stecken kann und ein Krankenhausaufenthalt nicht dem in Deutschland entsprechen würde – sehr gut nachvollziehen! Wir wussten dass das Virus dort zuhause ist, haben uns aber immer eingeredet, dass es uns nicht erwischen wird. Die Menschen dort leben ja schließlich auch mit dem Virus und die vielen Touristen haben es bisher auch überlebt. Sehr schnell wurden wir eines Besseren belehrt und spürten, wie hilflos man sich fühlt, wenn man mit einer potentiell tödlichen Infektionskrankheit konfrontiert wird, gegen die es keine Impfung, Prophylaxe oder Therapie gibt – etwas, das wir hier in Europa meiner Erfahrung nach völlig vergessen haben. Uns war das Erlebnis eine Lehre und ich bin erleichtert zu lesen, dass Ihr Euch nun gegen Brasilien entschieden hattet. Sein eigenes Leben auf’s Spiel zu setzen ist doch nochmal was anderes als das der eigenen (ahnungslosen) Kinder zu risikieren – und das freiwillig und nur wegen ein paar Tagen Urlaub, den die Kinder in gesundheitlich harmloseren Regionen genauso gut genießen können. Wie sehr hatte ich mir gewünscht, ich hätte die Stiche und das Fieber anstelle meines Kindes gehabt! So ein Virus kann einen persönlich mehr treffen als jegliche von Menschen ausgehende Gefahr – um die wir instinktiv normalerweise einen großen Bogen machen, da sie sichtbarer ist. Wer würde schon freiwillig in einem Kriegsgebiet Urlaub machen und sei es noch so schön?

    Zum Glück ging das Fieber beim Kind ohne Symptome wieder weg, wir flogen wie geplant heim und alles war wieder wie vorher. Zurück bleibt die Erinnerung an einen zwar sehr schönen Urlaub in der Karibik, aber auch die Ungewissheit, ob das Virus nun (wie so oft) symptomlos vom Immunsystem bekämpft wurde und nun die Gefahr einer schlimmeren Sekundärinfektion beim nächsten Karibikbesuch (evtl. erst als Erwachsener) schlummert oder es nur ein harmloses Fieber anderer Ursache war.

    Liebe Grüße und noch einen schönen Urlaub ohne Angst vor dem Virus und damit verbundenen Unbekannten!

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